„Verlässlichkeit, Transparenz und Sicherheit sind keine Schlagworte, sondern Haltung“
Warum ihm die Arbeit für unsere Heimat Spaß macht und wo Potenziale liegen, verrät Wieland Schletz im Interview
Herr Schletz, viele kennen Sie aus Feuerwehr und Katastrophenschutz. Wer sind Sie persönlich? Ich bin Jahrgang 1971, in Brand bei Marktredwitz aufgewachsen, Einzelkind aus bodenständigen Verhältnissen. Mein Vater war Dreher im Kraftwerk Arzberg, meine Mutter Verkäuferin im Lebensmittelhandel – das hat geerdet. Ich bin seit 1993 verheiratet, habe drei erwachsene Töchter und inzwischen zwei Enkel, ein dritter kommt bald dazu.
Ihr beruflicher Weg ist eher untypisch für einen Politiker. Das stimmt. Nach der mittleren Reife habe ich eine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht und viele Jahre im Kfz-Bereich gearbeitet. Danach war ich zwei Jahre im bewaffneten Sicherheits-dienst im Schichtbetrieb tätig – da lernt man, was Belastung bedeutet. Seit 2008 arbeite ich bei der Stadt Marktredwitz, später im Bauhof und als stellvertretender Bauhofleiter. Ich habe mich um ganz praktische Dinge gekümmert: von Zuschlägen für Mitarbeiter bis hin zu Kanaldeckeln oder Straßenbeleuchtung. Politik aus der Praxis heraus, könnte man sagen.
Sie waren jahrzehntelang in der Feuerwehr aktiv. Wie sehr prägt Sie das? Sehr. Ich bin seit 1988 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, war 22 Jahre Kommandant und später Kreisbrandrat. Diese Zeit hat mir gezeigt, wie wichtig Verlässlichkeit, klare Strukturen und Teamarbeit sind. Gerade in Krisen zählt nicht das große Wort, sondern dass etwas funktioniert. Verlässlichkeit, Transparenz und Sicherheit sind keine Schlagworte, sondern Haltung.
Auch als Notfallseelsorger waren Sie im Einsatz. Ja, während der Corona-Pandemie habe ich die Ausbildung zum Notfallseelsorger gemacht. Anfangs war ich skeptisch, heute weiß ich: Das war eine der prägendsten Erfahrungen meines Lebens. Wenn man Menschen in ihren schwersten Stunden begleitet, bekommt man ein sehr klares Gespür dafür, was wirklich zählt – Sicherheit, Orientierung und jemand, der da ist. Das hat mich demütiger und toleranter gemacht.
„Politik muss ehrlich, bodenständig und nah bei den Menschen sein, damit Sicherheit und Vertrauen im Landkreis spürbar werden – für den Landkreis. Mit Sicherheit.“
Warum kandidieren Sie jetzt für das Amt des Landrats? Diese Möglichkeit hat sich erst durch meinen Rücktritt als Kreisbrandrat und die Unterstützung meiner Familie ergeben. Ohne das klare Ja meiner Frau Manuela wäre das nicht gegangen. Ich kandidiere, weil ich überzeugt bin, dass unser Landkreis eine verlässliche, transparente und bodenständige Führung braucht.
Was verstehen Sie konkret unter dieser Haltung? Politik muss ehrlich und nachvollziehbar sein. Entscheidungen dürfen nicht abgehoben wirken. Kommunikation auf Augenhöhe ist entscheidend – auch mal zu sagen: Das wissen wir noch nicht, aber wir arbeiten daran. Die Menschen merken sehr schnell, wenn man sie mit Worthülsen abspeist.
Ein zentrales Stichwort in Ihrer Vorstellungsrede war Sicherheit. Sicherheit ist die Grundlage von allem: für Lebensqualität, für wirtschaftliche Entwicklung und für Vertrauen in den Staat. Das betrifft nicht nur Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst im Alltag, sondern auch den Katastrophenschutz. Strukturen müssen ineinandergreifen – ohne Reibungsverluste. Gleichzeitig müssen wir die Menschen wieder stärker für Eigenverantwortung sensibilisieren. Der Staat kann nicht alles leisten.
Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie als Landrat? Ganz klar: die Gesundheitsversorgung. Der Erhalt des Klinikums Marktredwitz hat hohe Priorität. Ebenso wichtig ist eine stabile hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum. Daneben liegt mir die heimische Wirtschaft am Herzen: „Made im Fichtelgebirge“ soll für Qualität, Innovation und gute Arbeit stehen.
Wie soll der Landkreis für die Zukunft aufgestellt werden? Als attraktiver Lebensraum für Familien, Fachkräfte und junge Menschen. Dazu gehören gute Bildungsangebote, eine lebendige Kulturszene, moderne Mobilität und eine zukunftsfähige Energiepolitik – Stichwort „Wunsiedler Weg“. Auch Pflege, Ehrenamt und Landwirtschaft müssen wir konsequent mitdenken.
Was unterscheidet Sie von anderen Kandidaten? Ich komme nicht aus der Theorie, sondern aus der Praxis. Ich weiß, wie Verwaltung, Ehrenamt und Einsatzorganisationen funktionieren – und wo es hakt. Ich will verbinden, nicht spalten, zuhören statt belehren. Jede und jeder soll mich ansprechen können.
Wie geht es nun weiter im Wahlkampf? Ich werde jede Gelegenheit nutzen, mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen. Zuhören, erklären, auch Kritik annehmen. Die nächsten Wochen werden intensiv, aber mit der Unterstützung der SPD und vieler engagierter Menschen traue ich mir das zu.
Ihr persönliches Ziel für diese Wahl? Den Menschen eine glaubwürdige, demokratische Alternative anzubieten. Oder um es mit Martin Luther zu sagen: dem Volk aufs Maul schauen – und danach handeln.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der Wahl am 8. März 2026.